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Kusterdingen-Wankheim:

Zeitzeugen vor dem Verfall bewahren: Ministerin Razavi besucht jüdischen Friedhof

Kommendes Wochenende ist Tag des offenen Denkmals. Aus diesem Anlass hat die baden-württembergische Bauministerin Nicole Razavi, die zuständig ist für den Denkmalschutz, Kulturdenkmale in ganz Baden-Württemberg besucht. In der Region Neckar-Alb standen dabei am Dienstag drei Stationen auf dem Programm: eine ehrenamtliche Ausgrabung in Ammerbuch-Reusten, ein Kleindenkmalprojekt in Haigerloch und der jüdische Friedhof in Kusterdingen-Wankheim. Er steht beispielhaft für das ehrenamtliche Engagement zur Erhaltung von Kulturdenkmalen.

Drei jüdische Friedhöfe gibt es in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen: in Baisingen, Buttenhausen und Wankheim. Von diesen dreien ist der Friedhof in Wankheim der älteste. Im achtzehnten Jahrhundert wurde er angelegt.

Bei Ministerin Nicole Razavi hinterlasse der Friedhof einen ganz tiefen Eindruck, sagt sie. Denn der Förderverein bemühe sich seit vielen Jahren um den Erhalt. "Da geht es darum, dass dieser Friedhof sowohl was seine religiöse Bedeutung, als auch religionsgeschichtlich und auch kulturgeschichtliche Bedeutung angeht, von unschätzbarem Wert ist für unsere eigene Geschichte, aber vor allem auch für die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Deutschland", so Razavi.

Doch der Zahn der Zeit nagt an den Grabsteinen. Denn sie sind Wind und Wetter ausgesetzt. Jeder dritte ist akut gefährdet, ein weiteres Drittel wird in absehbarer Zeit gefährdet werden. Ein Ampelsystem soll aufzeigen, wo dringender Handlungsbedarf besteht und wo eine Sanierung vorerst nicht nötig ist.

Prof. Claus Wolf, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege: "Der Hintergrund ist der, dass wir einfach hier so viele Steine haben, dass wir nicht einfach die Mittel, die wir haben, nach dem Gießkannenprinzip anwenden können, sondern wir müssen praktisch eine Analyse machen, und das geht dann tatsächlich nach dem Ampelsystem, Steine, die extrem gefährdet sind, bekommen die Farbe rot, Steine, wo wir noch ein paar Jahre warten können, gelb, und die Steine, die eigentlich noch in einem ganz guten Zustand sind, grün."

Während die Ehrenamtlichen sich um die Pflege der Flächen und des Zauns kümmern, ist die Arbeit an den Grabsteinen professionellen Restauratoren vorbehalten. Sie analysieren, reinigen und festigen die Steine nach den neuesten wissenschaftlichen Kriterien.

"Es geht um eine Sanierung, nicht um eine Rekonstruktion", so Claus Wolf. "Das heißt, die Steine werden auch nicht ergänzt, sondern es wird der Zustand, der jetzt noch vorhanden ist, versucht, dass er gefestigt wird und für ein paar Jahrzehnte wieder erhalten bleibt."

Und das ist wichtig, stehen sie doch als Zeugen des jüdischen Lebens in Deutschland, das schon 1700 Jahre zurückreicht, in der Mehrheitsgesellschaft allerdings kaum Spuren hinterlassen hat.

"Und von daher finde ich, Deutschland und damit auch Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung auch zu diesen 1.700 Jahren jüdischen Lebens. Das heißt, wir müssen uns von dem, was übrig geblieben ist, und das sind leider Gottes in vielen Fällen tatsächlich nur die Grabsteine, wenigstens um die müssen wir uns kümmern", so Wolf.

Mit ihrer alljährlichen Denkmalreise will Nicole Razavi sich auf der einen Seite über die Vielfalt der Denkmale in Baden-Württemberg informieren, auf der anderen Seite aber auch die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen. Nach dem Besuch dreier Denkmale in der Region Neckar-Alb zieht sie Resümee:

"Es war ein großartiger Tag mit ganz vielfältigen Eindrucken, und er steht ja unter der großen Überschrift der vielfältigen Denkmallandschaft in Baden-Württemberg, und vor allem, was wir den vielen Ehrenamtlichen zu verdanken haben, die sich tagtäglich unbezahlt, aber vor allem unbezahlbar für den Erhalt und für die Erforschung unserer Denkmäler im Land einsetzen."

Wer selber auf Denkmalreise im eigenen Umfeld gehen will, der kann das am kommenden Sonntag beim Tag des offenen Denkmals tun.

(Zuletzt geändert: Mittwoch, 06.09.23 - 16:19 Uhr   -   1858 mal angesehen)
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