Reutlingen:
Gemeinderat würfelt um Traditionsgebäck
Der Donnerstag nach Dreikönig ist in Reutlingen traditionell ein besonderer Tag. Denn dieser dreht sich voll und ganz um die Mutschel. Das knusprige Hefegebäck und den Mutscheltag gibt es wahrscheinlich schon seit dem 13. Jahrhundert. Nicht fehlen darf an diesem Tag das Würfeln mit der Mutschel als Einsatz. Der Gemeinderat hat die Politik am Donnerstagabend einmal hinten angestellt und sich im Café Sommer zum „mutscheln“ getroffen.
Die Mutschel war am Donnerstag wortwörtlich der Star des Abends. Knusprig, goldgelb und sternförmig. Ein echter Hingucker und ein Gebäck, das man – getreu dem Stadtmotto – ja eigentlich „nur lieben" kann, findet Anna Bierig von der Stadtmarketing und Tourismus Reutlingen GmbH.
"Der Mutscheltag ist ein Reutlinger Feiertag und den genießen wir in vollen Zügen. Bei uns im Büro gab es heute morgen schon Mutschel, dann konnte man auf dem Marktplatz mutscheln und in den Geschäften gab es Gutscheine für Mutscheln. Also man kann Reutlingen nur lieben – mit der Mutschel" sagt sie.
Die erste Mutschel des Abends hat sich in diesem Jahr Robert Hahn geschnappt. „2 Punkte Abzug" forderte Jaron Immer von den Grünen direkt, schließlich seien die ersten Würfel ja noch gar nicht gefallen. Geschmeckt habe die Mutschel in jedem Fall, sagt der 1. Bürgermeister. Bei den Spielen freute er sich besonders auf das "Mäxle".
Ein entschiedenes "Nein!" antwortet er auf die Frage, ob er dabei von seinen Mitspielern Ehrlichkeit erwarte. Natürlich nicht, denn Mäxle-Kenner wissen: Schummeln gehört bei diesem Spiel zum guten Ton. Schließlich muss hier nicht zwingend das höchste Augenpaar oder die 21 unter dem Becher liegen. Die Mitspieler müssen nur glauben, dass es so ist.
"Bei Mäxle muss man schummeln, man muss die Contenance bewahren und muss glaubwürdig und überzeugend rüber kommen. Auch wenn man nur 53 Punkte auf der Hand hat muss man mit Überzeugung sagen, dass man z.B. einen Zweierpasch hat" weiß Hahn.
Thomas Keck im Würfelpech
Die Strategie beim „Mäxle" ist also klar. Bei anderen Spielen helfen Strategien jedoch nur wenig. Hier ist Würfelglück gefragt. Etwas, das ausgerechnet Oberbürgermeister Thomas Keck verwehrt blieb. Da am Mutschelabend aber sowieso der Spaß im Vordergrund steht, trug Keck das Würfelpech mit Fassung. Ähnlich sah es auch seine Nebensitzerin Alexandra Hepp. Die Zwiefaltener Bürgermeisterin war zum ersten Mal mit dabei und hatte merklich Spaß.
Regine Vohrer hingegen wollte die große Mutschel in der Tischmitte gar nicht gewinnen. "Was soll ich mit dem Riesenteil allein daheim, ernsthaft?" fragt sie.
Am Ende spielten Kategorien wie 'gewinnen' oder 'verlieren' aber ohnehin keine Rolle. Zumindest kleine Mutscheln waren genügend für alle da, und viel mehr – so lautete ein Motto des Abends – braucht es am Mutscheltag nicht, um glücklich zu sein.










