Tübingen:
Wegweiser zu Gott: Benediktinerpater Anselm Grün zu Gast bei Gregor Gysi
Er hat schon mehr als 300 Bücher geschrieben. Einige davon wurden in 30 Sprachen übersetzt. Doch das Ordensleben lässt ihm nur vier Stunden pro Woche Zeit für das Schreiben: Pater Anselm Grün ist der wohl bekannteste deutsche Mönch unserer Zeit. Jetzt war er im Neuen Kunstmuseum Tübingen bei Gregor Gysi zu Gast. In der Reihe „Gysis Begegnungen“ sprach er über sein Leben als Ordensgeistlicher. Zuvor hatten wir von RTF.1 Gelegenheit, mit Pater Anselm Grün über seine Spiritualität zu sprechen.
Pater Anselm Grün trifft auf Gregor Gysi, ein tiefgläubiger Katholik auf einen bekennenden Atheisten. Eine spannende Kombination. Berührungsängste gab es im Vorfeld aber keine. "Gut ich bin selber gespannt, wie wir uns unterhalten können, aber Atheist sein heißt ja nicht unbedingt, dass ich nicht an was Größeres glaube, aber kann es nicht mit Gott benennen, aber ich denke, wer Werte lebt, der hat auch eine Ahnung von etwas das größer ist, als wir selber."
Dieses Etwas, das größer ist, als wir selber, ist für Anselm Grün Gott. Für ihn sei Gott die Grundlage seines Lebens, so der Benediktinerpater. Gott könne man nichts vormachen. Aber er sei auch Liebe. Eine Liebe, die im Einzelnen drin sei, aus der er dann schöpfen könne. "Gut, ich erlebe viele, die sagen: 'Ich kann Gott nicht spüren, aber, wenn ich dann vom Glauben erzähle, spüre ich eine Sehnsucht nach Gott, eine Sehnsucht nach etwas, was größer ist', und Exupéry sagte: 'Die Sehnsucht nach Liebe ist schon Liebe.' Da könnte man sagen, in der Sehnsucht nach Gott ist schon Gott. Die Sehnsucht kann ich spüren. Gott kann ich nicht spüren. Aber die Sehnsucht, da ist schon eine Spur Gottes in meinem Herzen."
Für diejenigen, die Gott suchen, hat Anselm Grün zwei weitere Tipps: der eine ist, sich die Schönheit der Natur anzuschauen. In der Schönheit spüre er auch immer eine Spur Gottes, so Anselm Grün. "Oder einfach still sein und schauen: Was erfahre ich, wenn ich in mich hineinhorche? Stoße ich da nur auf meine Lebensgeschichte, auf meine eigenen Probleme, oder ist da etwas, wo ich spüre, das kann ich nicht begreifen, da ist ein heiliger Raum in mir, wo Gott in mir wohnt."
Dieses Bild des heiligen Raumes komme auch bei weltlichen Menschen sehr gut an, so Anselm Grün. Er gebe Kurse für das Arbeitsministerium, und da seien die Leute sehr berührt, weil sie spürten: "Mitten im Trubel der Welt ist etwas in mir, wo die Welt keinen Zutritt hat, wo ich frei bin, wo ich nicht unter Druck stehe, mich beweisen zu müssen, mich darstellen zu müssen, da merke ich, dass diese spirituellen Bilder dann auch die modernen Menschen ansprechen."
Die nächste Ausgabe von „Gysis Begegnungen" gibt es am 29. Juni. Dann wird der CSU-Politiker Peter Gauweiler zu Gast sein.










