Reutlingen:
Gewerkschaft Verdi feiert Geburtstag
Am 19. März 2001 entstand durch den Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft - kurz: Verdi. Ziel der Gründung war, das Konkurrenzdenken unter den Gewerkschaften zu beenden. Dieses Jahr feiert Verdi ihr 25-jähriges Bestehen.
Reutlingen, Ende Juni 2026. Mehrere Gewerkschaften kommen am Tag des öffentlichen Dienstes zu einer Kundgebung zusammen. Trillerpfeifen und bunte Plakate - daran denken wohl viele, wenn von der Gewerkschaft Verdi die Rede ist.
Auf die Streiktage war man auch am Montag im Reutlinger Kulturzentrum franz.K stolz. Dort feierte der Bezirk Neckar-Alb das 25-jährige Verdi-Bestehen. Mit vielen Gratulanten, einigen „Gewerkschafts-Prominenten" und natürlich durfte auch das ein- oder andere Glas Sekt nicht fehlen.
Der frühere Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske war vor Ort und zeigte sich erfreut: "Ich meine, wir haben es geschafft mit ver.di die starke Dienstleistungsgewerkschaft in Deutschland zu schaffen, die sich durch ein Großmaß an Geschlossenheit auszeichnet, aber gleichzeitig auch durch eine große Offenheit was Diskussionen angeht, durch eine große Vielfalt."
Und Landesbezirksleiterin Maike Schollenberger ergänzt: "Es ist schön, dass hier in Reutlingen heute 25 Jahre ver.di gefeiert wird. Das ist ein besonderer Anlass. In der aktuellen Zeit sind Gewerkschaften wichtiger denn je, deswegen ist heute auf jeden Fall ein guter Moment um inne zu halten, was ist in den letzten 25 Jahren passiert und wo wollen wir in Zukunft weiter hin."
Der Blick zurück – an Geburtstagen bekanntlich sehr beliebt – durfte auch beim Gewerkschafts-Geburtstag nicht zu kurz kommen.
Gefragt nach den größten Errungenschaften der Gewerkschaft sieht Frank Bsirske in der Rückschau kein explizit hervorstechendes Ereignis. Es sei viel eher die Mitgliedernähe und Mitgliederstärke, die über die Jahre gewachsen sei.
"25 Jahre haben da auch Wirkung gezeigt. Denken wir nur an die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Das wäre unter Bedingungen, wo die Gewerkschaften für sich gewesen waren nicht möglich gewesen. Aber ver.di war stark genug, so viel Druck aufzubauen, dass es auch gelungen ist, etwas durchzusetzen wie den gesetzlichen Mindestlohn" so Bsirske.
Dennoch dürfte der Gewerkschaft die Arbeit auch in Zukunft nicht ausgehen. Gerade aktuell sieht Maike Schollenberger bereits Erreichtes plötzlich wieder in Gefahr.
"Wir spüren in den letzten Monaten, dass vor allem auch der politische Gegenwind, gegen unsere erkämpften Rechte, größer wird. Wenn wir uns das anschauen: Der Angriff auf den 8-Stunden-Tag steht im Raum. Da gilt es einfach, die nächsten Jahre laut und stark dagegen auf die Straße zu gehen, aber auch in den Betrieben" blickt Schollenberger voraus.
In naher Zukunft sieht Schollenberger vor allem die Tarifpolitik zunehmend schwierig werden, da die Arbeitgeberseite zunehmend härter verhandle. Auch das blieb – trotz der Feierlichkeiten – nicht gänzlich außen vor.










